Verständlich schreiben, das kann man lernen

Texten nimmt im Studium Content Strategy eine vergleichsweise geringe Rolle ein. Doch wie sich aus den Gesprächen mit Berufspraktikern zeigt, wird von den Content Strategen und Content Strateginnen sehr wohl erwartet, dass sie gut schreiben können. Die gute Nachricht ist: Schreiben ist ein Handwerk, dass jede und jeder lernen kann. Die vielleicht schlechte Nachricht: Im www ist die Konkurrenz an anderen Texten, die gelesen werden möchten besonders groß.

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Neben den handwerklichen Fähigkeiten erhöht eine angenehme Arbeitsatmosphäre die Chance, gute Texte zu produzieren. 

4,1 Millionen Videos werden auf Youtube angesehen. 3,5 Millionen Suchanfragen erreichen Google. 452.000 Tweets, 1,8 Millionen Snaps und 46.200 Instagram-Post werden abgesetzt. Dazu kommen unter anderem 156 Millionen Emails und 16 Millionen Textnachrichten.

Diese Zahlen beziehen sich auf eine Minute Verweilzeit im Internet. Lori Lewis, Vice President Social beim Medienkonzern Cumulus Media und der YouTube-Satiriker Chadd Callahan haben die genannten Werte berechnet. 

Interaktion auf vielen Kanälen

Der Desktop Computer und das Mobiltelefon sind zu multimedialen Interaktionsmaschinen geworden. Inhalte aus diversen Kanälen erreichen oft zeitgleich den Rezipienten/die Rezipientin. Die Aufgabe des Empfängers ist, diese Inhalte zu kuratieren. Er muss entscheiden, welche Informationen er an sich heranlässt und welche Inhalte er durch aktives Klicken oder “Wischen” auf seinem Bildschirm abruft.

Content im Internet ist im Vergleich zu Printcontent um ein Vielfaches stärker der Konkurrenz von “Begleitgeräuschen” ausgesetzt. Während etwa ein Onlinetext rezipiert wird, kann am Mobiltelefon oder am PC bereits die nächste Facebook Nachricht aufpoppen. Oder vielleicht meldet sich der abonnierte Bot der Konkurrenz mit der nächsten Breaking News.

Einfach Texten

Was für Print-Inhalte gegolten hat, gilt für Inhalte im www umso mehr. Texte müssen leicht verständlich dargebracht werden, um die Aufmerksamkeit der Leser und Leserinnen gewinnen und behalten zu können.

Verständlich schreiben, ein Handwerk

Dabei zu beachten sind folgende Handwerksregeln, die die Journalistin Ursula Kronenberger im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der der FH Joanneum im Wintersemester 2017 ausgeführt hat und im Folgenden angeführt werden:

  • Schreiben Sie in einer verständlichen Sprache
  • Vermeiden Sie schwierige Fremdwörter
  • Schreiben Sie lebendig: Verben statt Substantive sollen verwendet werden
  • Ein moderater Wechsel der Verben und Adjektive macht einen Text lebendiger
  • Gezielt eingesetzte Verben können der Beschreibung dienen
  • Sprachbilder machen eine Text anschaulich
  • Vielstrapazierte Phrasen langweilen: Wer seine Leser wiederholt dazu aufruft, “die Nadel im Heuhaufen zu suchen”, läuft Gefahr, sie zu langweilen
  • Sätze sollten nicht verschachtelt sein
  • 14 bis 20 Wörter pro Satz
  • Die Konzentration der Leser liegt auf dem Hauptsatz
  • Eine, maximal zwei Informationen reichen pro Satz
  • Wortmonster meiden
  • Endungen wie -ung, -keit, -tät, -heit meiden
  • Aktiv statt passiv Formulieren
  • Nominalstil meiden
  • Doppelte Verneinungen meiden

Als große Fehlerquelle gelten doppelte Verneinungen: “Nicht unweit der drei Eichen stand Großmutters Haus”, ist etwa ein Beispiel, dass der Sprachguru Wolf Schneider in seinen Seminaren lehrt. 

Das F-Schema

In Zusammenhang mit der Rezeption von Texten ist wichtig zu wissen, dass User bei minimalem Arbeitsaufwand möglichst stark profitieren wollen. 

Inhalte im Web rezipieren Menschen nach dem F-Schema. Das hat der dänische Usability Pionier, Schriftsteller und Informatiker Jacob Nielsen im Jahr 2006 in einer Eyetracking-Studie nachgewiesen. Analysiert wurde das Nutzungsverhalten von 232 Testpersonen.

Nielsen ist dabei zu folgenden Schlüssen gekommen:

 

  • “Die Nutzer lesen zuerst in einer horizontalen Bewegung, gewöhnlich über den oberen Teil des Inhaltsbereiches. Dieses Anfangs-Element bildet den oberen Querstrich des F. (…)
  • Als nächstes bewegen sich die Nutzer auf der Seite ein Stück nach unten und lesen in einer zweiten horizontalen Bewegung quer, die normalerweise einen kürzeren Bereich abdeckt als die vorige Bewegung. Dieses zusätzliche Element bildet den unteren Querstrich des F.  (…)

 

  • Zum Schluss überfliegen die Nutzer in einer vertikalen Bewegung den linken Rand des Inhalts. Dieses letzte Element bildet den senkrechten Strich des F.  (…)” 

Im Bezug auf das Schreiben für das Web empfiehlt Nielsen, folgende Erkenntnisse zu berücksichtigen:

  • User lesen Texte nicht Wort für Wort.
  • Die ersten zwei Absätze sollen die relevantesten Informationen enthalten
  • Subbeadlines, Subtitel und Absätze sollen aus informativen Schlüsselwörtern gestaltet werden

Verstanden werden

Im Internet stehen verschiedene Tools zur Verfügung, anhand derer die Verständlichkeit von Texten überprüft werden kann.

Flesch-Index

Der Flesch-Index – benannt nach dessen Erfinder, Rudolf Flesch –  ist eine Möglichkeit, die Lesbarkeit von Texten zu überprüfen. Mit dem Tool fleschindex.de werden Texte nach Anzahl der Sätze, Wörter und Silben beurteilt. Ein Fleschindex von 81 bis 100 bedeutet, der Text ist extrem leicht zu lesen. Texte mit einem Fleschindex bis 20 gelten als sehr schwierig zu lesen. (vgl. http://fleschindex.de/)

Textinspektor

Ein weiteres Tool zur Analyse von Texten ist Textinspektor.de. Diese Tool bezieht bei der Bewertung sowohl die Textsorte, die Zielgruppe als auch das Alter der Zielgruppe mitein. Als Grundlage wird bei der Analyse ebenfalls die Fleschformel herangezogen. Zusätzlich werden etwa Satzlänge, Wortlänge und Anzahl der verwendeten Silben ausgewertet. Die Verständlichkeitsauswertung wird zudem grafisch dargestellt. (vgl. http://www.textinspektor.de/)

Wortliga

Den Verständlichkeitsindex nach Rudolf Flesch ermittelt auch das Tool wortliga.de. Zusätzlich bietet es eine differenzierte Analyse etwa in Hinblick auf Nominalstil, Füllwörter, unpersönliche Sprache und Passivsätzen. (vgl. http://wortliga.de/)

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